SlumbewohnerInnen Indiens wehren sich gegen Film

slum indien

Weltweit läuft der Film «Slumdog Millionaire» mit grossem Erfolg. Im Entstehungsland Indien aber sind nicht alle glücklich darüber. Slumbewohner wehren sich gegen den Titel. Sie haben unter anderem ein Kino gestürmt.

Der vom britischen Regisseur Danny Boyle gedrehte Film handelt von einem jungen Slumbewohner in Mumbai, der in der indischen Ausgabe der Show «Wer wird Millionär?» sämtliche Fragen richtig beantwortet und den Hauptpreis von 20 Millionen Rupien gewinnt. Das Kunststück gelingt ihm, weil alle Fragen irgendwie mit seinem Leben zu tun haben. Ein ziemlich märchenhafter Film also, der allerdings bei Kritik und Publikum sehr gut ankommt und bereits zahlreiche Preise gewonnen hat. Er ist auch für den Oscar nominiert.

Auch in der Schweiz läuft er seit letztem Donnerstag mit grossem Erfolg. Am gleichen Tag startete er in seinem Entstehungsland Indien. Neben positiven Stimmen gab es hier auch Kritik. Von einem «Armuts-Porno» war die Rede, der westliche Vorurteile über Indien zementiere. Besonders heftig protestieren die «echten» Slumbewohner. Sie fühlen sich durch die Bezeichnung «Slumdog» im Titel erniedrigt.

«Verletzung der Menschenrechte»

«Slumbewohner als Hunde zu bezeichnen ist eine Verletzung der Menschenrechte», erklärte Tateshwar Vishwakarama, ein Aktivist und Organisator von Protesten in Patna, der Hauptstadt des Bundesstaats Bihar, gemäss der Zeitung «The Times». Er hat vier an der Produktion des Films beteiligte Inder wegen des Titels vor Gericht verklagt. Mehrere hundert Teilnehmer einer Kundgebung in Patna beliessen es nicht beim Protest. Sie stürmten ein Kino und rissen Poster des Films herunter.

Ein weiterer Aktivist betonte, man wolle die Protest auf das ganze Land ausweiten. Bereits am letzten Donnerstag demonstrierten etwa 40 Slumbewohner in Mumbai vor dem Haus von Bollywood-Megastar Anil Kapoor, der im Film den «indischen Günther Jauch» verkörpert. «Armut zu verkaufen» und «Ich bin kein Slumdog, ich bin die Zukunft Indiens» hiess es gemäss «Times» auf Transparenten.

Viel schlimmere Ausdrücke

Anil Kapoor betonte jedoch, dass Kindern in Slums noch viel schlimmere Ausdrücke nachgerufen würden. Er muss es wissen, er ist selber in einem Elendsviertel von Mumbai aufgewachsen und hat seine Gage aus dem Film für Kinderprojekte gespendet. Drehbuchautor Simon Beaufoy erklärte letzte Woche, er habe den Ausdruck «Slumdog» erfunden, weil ihm die Idee gefiel. «Ich wollte aber niemanden beleidigen.»

(pbl)